Mau-Mau-Geschichte

Woher kommt das Mau-Mau-Spiel? Wer hat es erfunden? Wo und wann wurde es zuerst gespielt? Wer hat die Regeln festgeschrieben und wie haben sie sich verbreitet?

Das scheinen einfache Fragen – und doch fällt es schwer, sie zu beantworten. Wenn man versucht, die Geschichte des Mau-Mau-Spiels ins Dunkel der Vergangenheit zu verfolgen und ihre Ursprünge aufzudecken, findet man vielleicht nicht die Antworten auf die eigentlichen Fragen, aber doch viel Amüsantes und Wissenswertes. Anders als bei der Geschichte von Skat, lässt die Mau-Mau-Geschichte noch viel Raum für Interpretationen.

Vermutungen und dokumentierte Gewissheiten

Der Drang zu spielen ist ein ebenso menschliches Grundbedürfnis wie der Drang zu essen, zu trinken und zu schlafen und so weiter. Friedrich Schiller schrieb dazu sehr schön:

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Spielen bedeutet Erholung und Entspannung, geselliges Beisammensein und – wenn man denn so will – das Trainieren sozialer Kompetenzen. Deshalb ist das Spielen auch für Kinder besonders wichtig – aber auch und vielleicht gerade wir Erwachsenen profitieren davon, einmal eine Auszeit vom Ernst des Lebens zu nehmen!

Spielen spiegelt den Charakter des Menschen: Manche schummeln, andere nicht. Die einen sind ehrgeizig im Spiel und wollen gewinnen, andere freuen sich selbst am Verlieren. Dann wiederum gibt es die Liebhaber des Risikos und die, welche eher Vorsicht walten lassen. Ganz aufbrausende Naturen bringen es so weit, am Spieltisch wahre Dramen zu kreieren.

Kulturimport aus dem Osten – die Seidenstraße ist Schuld!

Aber zurück zu den Karten – woher kommen die eigentlich? Wer am heimischen Kartentisch Mau-Mau spielt, wird sich sicher wundern zu erfahren, dass die Spielkarten eigentlich aus China, Korea bzw. Indien stammen. Sie haben Europa vor etwa 800 Jahren über die Seidenstraße erreicht.

Das Mittelalter war nämlich globaler, als wir uns heute oft denken: Es gab Kreuzzüge ins Gelobte Land und in der Mitte des 13. Jahrhunderts brauste der Mongolensturm von Osten heran. Das arabische Kalifat erstreckte sich vom Euphrat bis nach Spanien. Krieger, Missionare, Händler und natürlich auch das fahrende Volk sorgten für den Austausch von Waren, Erfindungen und Ideen. Darunter natürlich auch Spielideen…

Im Herrschaftsgebiet der Araber wurde eines der am weitesten verbreiteten Kartenspiele „Naib“ genannt. Daraus entstand das Wort „Naipes“, wie die Spielkarten im Spanischen auch heute noch genannt werden.

Teufelszeug und Sündenpfuhl

Das Europa des frühen Mittelalters durchlebte in jenen Jahrhunderten dunkle Zeiten. Die Pestepidemien verbreiteten Angst und Schrecken. Die Inquisition erstarkte. Der kirchlichen Obrigkeit galten die Spielkarten und Kartenspiele schnell als lasterhaft. Vielleicht, weil die Karten zum Glücksspiel verleiteten? Oder weil mit dem beliebten Tarot-Spiel die verhasste Magie ins Spiel kam? Oder weil die Kirche fürchtete, ihre Schäflein könnten über dem Kartenspiel die Pflicht und Demut und das Beten vergessen? Belegt ist in jedem Fall, dass ein Berner Gericht im Jahr 1367 ein in der Region kursierendes Kartenset als „Gebetbuch des Teufels“ qualifizierte, und es verbot.

Doch was nützen Verbote? Oft erreichen sie das Gegenteil, denn jede Werbung ist gute Werbung. Der Verbreitung der Spielkarten tat ihre Verteufelung vonseiten der Kirche jedenfalls keinen Abbruch.

Die Erfindung des Französischen Blattes

Waren Spielkarten vor der Erfindung des Buchdrucks oft von Künstlern angefertigte Unikate, so konnten sie dank der Druckerpressen schon bald in Massen produziert und unters Volk gebracht werden.

Das französische Lyon war vor gut 400 Jahren eines der Zentren der Spielkartenproduktion. Großer Beliebtheit erfreuten sich die Kartenspiele am Hof des Königs und in den Salons seiner adligen Untertanen. Der König, die Dame und der Bube sind eine Referenz und Erinnerung an die absolutistische Zeit.

Welcher Monarch und dessen Familie mit den ihnen gemeint sein kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wahrscheinlich ist, dass die Künstler, die die Karten gestalteten, jeweils ihre eigenen Präferenzen hatten. So werden den vier Königen – trèfle (Treff – Kreuz), pique (Pik – Lanze), coeur (Herz) und carreau (Quadrat – Karo) folgende historische Persönlichkeiten zugeordnet: Alexander der Große, David (König von Israel), Karl der Große und Julius Cäsar. Als Damen wurden die Königinnen als solche, aber auch Athene, Judith und Rahel ins Spiel gebracht. Mit den Buben verbinden sich die Legenden von Ritter Lancelot, Holger (Ogier) Danske (ein Widersacher Karls des Großen), La Hire (getreuer Soldat an der Seite Jeanne d’Arcs) und dem trojanischen Helden Hector.

Spielregeln – Ablegen, Anlegen, Sammeln…

Wo Karten sind, wird auch gespielt – und dazu braucht es natürlich Regeln! Die meisten Spiele folgen ganz ähnlichen Grundprinzipien: Ablegen, Anlegen und Punktesammeln, auch das Stechen und Rauben ist am Kartentisch erlaubt!

Man darf davon ausgehen, dass sich immer wieder neue Regeln erfunden und ausprobiert wurden, bis sich schließlich die optimale Kombination aus Glücks- und Strategiespiel fand, die einer bestimmten Gruppe von Spielern gefiel.

So entstanden im 19. Jahrhundert die auch heute noch weit verbreiteten klassischen Kartenspiele wie Skat, Whist und Bridge. Ende des 19. Jahrhunderts kam Rommé hinzu. Das Mau-Mau-Spiel kann im Vergleich dazu auf keine solche beeindruckende Vita verweisen – es wird erst ab den 1930er Jahren erwähnt.

Glück oder Strategie? Das Mau-Mau-Spiel vor Gericht

Eines aber kann das Mau-Mau-Spiel vorweisen und zwar einen ordentlichen Gerichtsprozess! Das mag zwar verwundern – denn wer sollte da gegen wen klagen? – aber ja, es fand sich ein Kläger und somit auch ein Richter. Zu klären war dabei, ob das Mau-Mau ein Glücksspiel sei – und damit der entsprechenden Gesetzgebung zur Regulierung des Glücksspiels unterliege.

Juristisch interessierte können den entsprechenden Richterspruch gern in voller Länge genießen, den Kartenspiel-Freunden hier sei lediglich gesagt: Ja, das Mau-Mau ist ein Glücksspiel!

So argumentierte jedenfalls das Verwaltungsgericht Düsseldorf am 29.04.2011 per richterlichem Entscheid: Das Spiel weise durchaus „Geschicklichkeitsmomente“ auf, doch seien diese gegenüber den „Zufallsmomenten – Verteilung der Karten auf die Spieler, der Reihenfolge der Karten im Stapel, Bestimmung der ersten offenen Karte, die bedient werden muss“ etc. – eben doch für den Spielausgang von geringerer Bedeutung.

Nachdem der Glücksspielcharakter des Mau-Mau nun also offiziell von einem deutschen Verwaltungsgericht geklärt wurde, können wir Kartenspiel-Fans uns entspannt zurücklehnen: Ja, das ist doch wunderbar! Komplexe Strategiespiele gibt es genug, aber man mag sich eben nicht jeden Tag den Kopf über Skat-Ansagen und Bridge-Kombinationen zerbrechen. Manchmal soll das Kartenspielen einfach nur entspannen und Spaß machen und dann heißt es eben: Mau-Mau!